Gelbdruckentwurf der DAfStb-Richtlinie
"Betondecken und -dächer aus Fertigteilhohlplatten"

Beim Deutschen Ausschuss für Stahlbeton e.V. wurden im Unter­ausschuss „Hohlplatten“ des Technischen Ausschusses „Beton­fer­tig­teile“ Gelb­druckentwürfe zur DAfStb-Richtlinie „Bauteile aus Fer­tig­teil­plat­ten“ erarbeitet. Die Richtlinie besteht aus drei Teilen:

Stahlbetonhohlplatten (Teil 1):

Für Stahlbetonhohlplatten gab es Regelungen in DIN 1045:1978 und in DIN 1045:1988. Zur Klärung von Auslegungen und der Handhabung geringer Abwei­chungen zu diesen Regelungen dienten die „Grund­sätze für die statische Prüfung“ aus den Mit­teilungen des IfBt. Mit diesen als gering angesehenen Abweichungen waren keine Verwend­bar­keits­nachweise in Form einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zu­lassung erforderlich. Nach Ein­führung von DIN 1045-1 gab es im Jahr 2005 eine Aktualisierung der Grundsätze in den DIBt-Mitteilungen. Die konsequente Fortführung dieses Prozedere verlangte eine ent­sprechende An­passung der Regelungen an DIN EN 1992-1-1, die nun in eine Richtlinie des DAfStb überführt wurden.

Spannbetonhohlplatten (Teil 2):

Für die Verwendung von Spannbetonhohlplatten gab es in Deutsch­land bislang allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen mit Be­stim­mungen für Entwurf, Bemessung, Ausführung, Prüfung und Über­wachung. Die Zulassungen verwiesen insbeson­dere auf die DIN EN 1992-1-1 mit nationalem Anhang und auf die harmonisierte Produkt­norm DIN EN 1168. Aufgrund des Urteils des Europäischen Gerichts­hofs vom 16. Oktober 2014 in der Rechtssache D-100/13 wurden für Spannbetonhohlplatten keine allgemeinen bauauf­sichtlichen Zulassungen mehr erteilt.

DIN EN 1168 enthält neben Regelungen für die Herstellung, Prüfung, Überwachung und Kennzeichnung des Bauprodukts „Hohlplatte“ auch Angaben zur Bemes­sung, die bislang in den Zulassungen nur teilweise angewendet werden durften. Da eine Be­messung aber nicht ausschließlich produktbezogen durchgeführt werden kann, sondern kon­struktive und einwirkungsbedingte Randbedingungen zu berücksichtigen hat, werden auch Re­gelungen der Bemessungs­normen, z.B. DIN EN 1992-1-1 tangiert. Eine Bemessung alleine nach DIN EN 1992-1-1 ist wiederum nicht oder nur mit erheblichem Aufwand möglich, da Spannbetonhohlplatten außer Spannstahllitzen keine Bewehrung enthalten und dadurch die Notwendigkeit besteht, die Betonzugfestigkeit in Ansatz zu bringen. Zudem liegen spezielle Querschnittsformen mit runden, ovalen oder eckigen Hohlkörpern und schmalen Stegen vor.

Im Zuge der Erarbeitung der DAfStb-Richtlinie musste daher über­prüft werden, ob und inwie­weit Bemessung, Prüfung und Über­wachung in Deutschland – wie in anderen europäischen Ländern – ausschließlich auf der Basis von DIN EN 1168 erfolgen kann oder ob ergänzende Regelungen für Decken aus Spannbetonhohlplatten erforderlich sind. Als Arbeits- und Aus­gangsdokumente dienten neben den Zulassungen und der Produktnorm DIN EN 1168 insbeson­dere die Industrierichtlinie zu Spannbeton-Fertigdecken.

Die DAfStb-Richtlinie enthält bemessungstechnische Aspekte u.a. zu folgenden Bereichen:

Als Neuerung enthält die DAfStb-Richtlinie Regelungen zur biege­weichen Lagerung, die aus Gutachten abgeleitet wurden. Darüber hinaus sind in der DAfStb-Richtlinie Bestimmungen für die Bau­ausführung sowie die Prüfung der Zugfestigkeit der Plattenstege enthalten.

Allgemeine Anforderungen (Teil 3):

Der Teil 3 dieser Richtlinie fasst die Anforderungen an CE-gekenn­zeichnete Spannbeton- und Stahlbetonhohlplatten mit einer Leis­tungs­erklärung auf Grundlage von DIN EN 1168 für den Einbau in Betondecken und -dächern zusammen. Darüber hinaus enthält der Teil 3 Angaben zum Nachweis der Einhaltung dieser Anforderungen sowie Angaben zur Überwachung.

Der Gelbdruckentwurf kann unter https://www.beuth.de/de/technische-regel-entwurf/dafstb-fertigteilhohlplatten/343850007 erworben werden. Die Einspruchs­frist endet planmäßig am 30. November 2021. Die Einspruchssitzung wird voraussichtlich Anfang 2022 stattfinden.