Aktuelles — Pressemitteilung

Bemessung von Befestigungen in Beton —
Veröffentlichung der neuen Norm DIN EN 1992-4
und Erläuterungsheft des DAfStb

Die Bemessung von Befestigungen in Beton wird zukünftig im Teil 4 des Eurocodes 2 (DIN EN 1992–4) geregelt und beschrieben. Mit der Veröffentlichung von DIN EN 1992–4 im Frühjahr 2019 wird so­mit erstmals die Bemessung von Befestigungen in Beton in einer Norm geregelt und nicht wie bisher üblich in Richtlinien oder Tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­tio­nen. Dies ist ein wichtiger und bedeutender Schritt für die Be­fes­ti­gungs­tech­nik.

Die neue Norm fasst die Bemessung verschiedenster Be­fes­ti­gungs­sys­te­me und verschiedener Einwirkungen in einem zentralen Do­ku­ment zusammen. Dies ist ein entscheidender Vorteil, da die Be­mes­sung von Befestigungsmitteln in Beton in der Vergangenheit über zahl­rei­che Einzeldokumente verteilt waren (siehe Bild 1). So ent­hält DIN EN 1992–4 sowohl die Bemessung von Einlegeteilen (An­ker­schie­nen und Kopfbolzen) als auch die Bemessung von nach­träg­li­chen Befestigungen (Metallspreizdübel, Hinterschnittdübel, Be­ton­schrau­ben, Verbunddübel und Verbundspreizdübel). Dabei werden Bemessungsregeln für verschiedenste Einwirkungskategorien in ei­nem gemeinsamen Do­ku­ment erfasst und die Bemessung für sta­tische und quasistatische Ein­wir­kun­gen sowie für Ermüdungs- und Erdbebenbeanspruchungen geregelt. Die Bemessung unter Brand­ein­wir­kung wird im neuen Teil 4 des Eurocodes 2 ebenfalls be­rück­sich­tigt. In DIN EN 1992-4 sind einige Öffnungsklauseln mit der Mög­lich­keit zu nationalen Re­ge­lun­gen enthalten. Im deutschen Nationalen Anhang zu DIN EN 1992-4 wurden nur für den Fall der Erd­be­ben­be­an­spru­chung abweichende nationale Re­ge­lun­gen definiert.

Zeitliche Entwicklung der maßgeblichen Bemessungsrichtlinien für die Bemessung von Befestigungen in Beton (Stand Ende 2018)

Bild 1: Zeitliche Entwicklung der maßgeblichen Bemessungsrichtlinien für die Bemessung von Befestigungen in Beton (Stand Ende 2018)


DIN EN 1992–4 stellt durch die Überarbeitung der bisherigen Re­ge­lun­gen und die Ergänzungen den derzeitigen Stand der Technik für die Bemessung von Befestigungen in Beton dar und ermöglicht eine effiziente und wirtschaftliche Bemessung. Auch das Si­cher­heits­kon­zept für Befestigungen in Beton ist nun direkt in das allgemeine Si­cher­heits­kon­zept der Eurocodes und speziell in das Si­cher­heits­kon­zept für Stahlbetonkonstruktionen eingebunden. Zudem ga­ran­tiert die europaweite Einführung ein einheitliches Vorgehen.

Die Bemessung von Befestigungen in Beton bekommt durch die In­te­gra­tion als Teil 4 in den Eurocode 2 einen höheren Stellenwert in der Baupraxis und dadurch größere Aufmerksamkeit bei Bau­in­ge­nieu­ren. Infolgedessen hatte sich der Deutsche Ausschuss für Stahl­be­ton (DAfStb) bereits während der Bearbeitung der DIN EN 1992–4 dazu ent­schlos­sen, im Rahmen seiner Schriftenreihe ein Er­läu­te­rungs­heft zur DIN EN 1992–4 zu entwickeln. DAfStb-Heft 615 soll der Praxis das Verständnis und den Gebrauch der DIN EN 1992–4 durch Erläuterungen und Darlegung wissenschaftlicher Grundlagen erleichtern. Um die Ak­zep­tanz des Erläuterungsheftes in der brei­ten Fachöffentlichkeit auch außerhalb Deutschlands signifikant zu erhöhen, wird das Heft zusätzlich in englischer Sprache ver­öf­fent­licht.

Der erste Teil des Heftes enthält Erläuterungen zum Normentext, Hin­wei­se zu Ableitungen vieler Regelungen, sowie ergänzende An­wen­dungs­re­geln. Der zweite Teil erläutert die in der Norm zitierten Tech­ni­schen Be­rich­te. Die Ausführungen des ersten und zweiten Teils des Heftes wurden im Technischen Unterausschuss „Be­fes­ti­gungs­tech­nik“ des DAfStb erarbeitet und in einem nor­men­ähn­li­chen Verfahren, d. h. im Konsens zwischen allen beteiligten Grup­pen, ver­ab­schie­det.

Der dritte Teil des Heftes enthält Beiträge, die von Mitgliedern des DAfStb-Unterausschusses „Befestigungstechnik“ in eigener Ver­ant­wor­tung verfasst wurden und weitergehende Erläuterungen zu aus­ge­wähl­ten Themenkreisen enthalten. Die Beiträge entstammen im We­sent­li­chen der Mitarbeit der Verfasser in den Arbeitsgruppen zur Er­ar­bei­tung der DIN EN 1992–4. Die Beiträge behandeln ins­be­son­de­re An­wen­dungs­fäl­le, die in DIN EN 1992–4 nicht ab­ge­deckt sind und bieten ingenieurmäßige Lösungen an.

Anlage: