Aktuelles —
DBV-/DAfStb-Fachkolloquium "Dauerhaftigkeit
von Parkdecks" am 20. November 2009 in Berlin

Parkdecks und Tiefgaragen gehören durch die kombinierte Einwirkung von Chloriden und Frost zu den sehr stark beanspruchten Betonbauwerken. Entsprechend müssen nach DIN 1045-1 ergänzend zu den bereits hohen Anforderungen an die Betondeckung und die Betonzusammensetzung (u. a. höchstzulässiger Wasserzementwert, Mindestdruckfestigkeitsklasse) zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, um die Dauerhaftigkeit dieser Bauwerke über die Nutzungsdauer sicherzustellen. Diese zusätzlichen Maßnahmen sind im DAfStb-Heft 525 (und auch 526) in allgemeiner Form beschrieben. Es werden u. a. Hinweise zum Einsatz von Beschichtungen oder Abdichtungen mit einer in Einzelfällen möglichen Herabstufung der Expositionsklasse gegeben. Ergänzend zu den Ausführungen in Heft 525 gibt das DBV-Merkblatt "Parkhäuser und Tiefgaragen" detaillierte Ausführungshinweise, die die Maßnahmen in DAfStb-Heft 525 präzisieren. Bei der praktischen Anwendung des Heftes und des Merkblattes sind einige Fragestellungen aufgetreten, die der näheren Betrachtung bedurften. Aus diesem Grund fand am 20. November 2009 ein gemeinsames Fachkolloquium des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton e. V. (DAfStb) und des Deutschen Beton- und Bautechnik-Vereins E.V. (DBV) zu dem Thema "Dauerhaftigkeit von Parkdecks" in der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin statt.

Auf der Veranstaltung diskutierten rd. 50 Experten aus den Bereichen der Planung, der Wissenschaft, der Baustoffindustrie und der Bauausführung mit dem Ziel, die Ausführungen in den Schriften des DAfStb und des DBV aufeinander abzustimmen und dadurch die Planungs- und Ausführungssicherheit für Parkhäuser und Parkdecks zu erhöhen. Einigkeit bestand darüber, dass sich die Ausführungen in den Heften des DAfStb stärker als bisher auf die wesentlichen baurechtlich geforderten Grundsätze zur Sicherstellung der Standsicherheit und der Dauerhaftigkeit von Parkdecks und Parkhäusern konzentrieren sollen, während das überarbeitete DBV-Merkblatt detaillierte Ausführungshinweise für die Umsetzung dieser Prinzipien enthalten soll. Durch diese grundsätzliche Aufteilung wird eine einfache Bezugnahme des DBV-Merkblattes in den beiden Heften ermöglicht. Im Einzelnen wurden während des Fachkolloquiums folgende Fragestellungen behandelt:

  1. Wie muss gewartet werden, um Vergünstigungen zu rechtfertigen?
  2. Welche Prinzipien gelten für den Umgang mit Rissen und Arbeitsfugen?
  3. Wie wirkt sich eine dauerhafte Beschichtung oder eine Abdichtung auf die Einstufung in Expositionsklassen aus?
  4. Welche Anforderungen hinsichtlich der Dauerhaftigkeit muss die Betondeckung unter einer dauerhaften Beschichtung oder Abdichtung erfüllen?
  5. Ist die Ausbildung eines Gefälles immer notwendig, um die Dauerhaftigkeit sicherzustellen oder können auch andere Lösungen möglich sein?
  6. Wie muss der Schutz aufgehender Bauteile ausgebildet sein?

Zu a) Wartung

Die Experten waren sich darüber einig, dass die in Heft 525/526 geforderte Wartung im DBV-Merkblatt weiter spezifiziert werden muss, insbesondere dann, wenn mit der Wartung Vergünstigungen bei der Einordnung in Expositionsklassen oder bei der Verringerung der Betondeckung in Anspruch genommen werden sollen. So wurde beschlossen, in die überabeiteten Hefte 525/526 die generelle Forderung nach einer regelmäßigen und in definierten Abständen durchzuführenden Wartung und der Durchführung notwendiger Instandhaltungsmaßnahmen bei Parkbauten aufzunehmen, ohne - wie bisher - Aussagen zur Häufigkeit der Wartung zu treffen. Das Merkblatt wird dann für verschiedene Anwendungsfälle detaillierte Angaben zu den Wartungsintervallen und den Instandhaltungsmaßnahmen enthalten. In dem Merkblatt werden zukünftig genauere Angaben zu den Inhalten des Wartungsplanes enthalten sein, die sich auf das DBV-Merkblatt "Bauwerksbuch - Empfehlungen zur Sicherheit und Erhaltung von Gebäuden" abstützen werden.

zurück

Zu b) Risse und Arbeitsfugen

Zur Sicherstellung der Dauerhaftigkeit von Parkbauten gehört der Grundsatz, dass Risse und Arbeitsfugen dauerhaft geschlossen bzw. geschützt werden müssen, um Schäden durch die chloridinduzierte Korrosion der Bewehrung zu vermeiden. Dieses Prinzip ist unabhängig davon anzuwenden, ob z. B. planmäßig breitere Einzelrisse in Kauf genommen, die nach Abschluss der Rissbildung wieder geschlossen oder beschichtet werden oder ob durch eine rissbreitenbegrenzende Bewehrung nach DIN 1045-1 mit mehreren kleineren Rissen gerechnet wird, die dann in der Fläche beschichtet oder abgedichtet werden müssen. Dieser Grundsatz wird in den beiden DAfStb-Heften verankert. Ausführungsdetails, z. B. zur Auswahl geeigneter Oberflächenschutzsysteme für die verschiedenen Bauteile, werden in das DBV-Merkblatt aufgenommen.

zurück

Zu c) Einstufung des Betons in Expositionsklassen
bei dauerhafter Beschichtung oder Abdichtung

Im Rahmen des Fachkolloquiums wurden die gesammelten Erfahrungen mit den in den DAfStb-Heften 525 und 526 eingeräumten Möglichkeiten zur Herabstufung innerhalb der Expositionsklassen XD und XF durch die Applikation einer dauerhaften rissüberbrückenden Beschichtung oder einer Abdichtung ausgetauscht. Einigkeit bestand darüber, dass eine Herabstufung der Expositionsklassen und eine Verringerung der Betondeckung unter einer Beschichtung oder Abdichtung grundsätzlich möglich sind, wenn die zuvor unter Punkt a) beschriebenen Anforderungen an die Wartung eingehalten werden und notwendige Instandsetzungsarbeiten umgehend durchgeführt werden. Auch bei diesem Punkt wird sich der DAfStb auf die grundsätzliche Aussage beschränken. Im DBV-Merkblatt werden schließlich die Randbedingungen spezifiziert, unter denen die Herabstufung erfolgen darf.

zurück

Zu d) und e) Anforderungen an die Dauerhaftigkeit
der Betondeckung und Gefälleausbildung

Die in den Normen der Reihe DIN 1045 und DIN EN 206-1 deskriptiv festgelegten Anforderungen an die Mindestbetondeckung sowie an die Betonzusammensetzung, hier insbesondere hinsichtlich des maximal zulässigen Wasserzementwertes, des Mindestzementgehaltes und der Mindestdruckfestigkeitsklasse, stellen bei einem unbeschichteten und ungerissenen Beton für die jeweilige Expositionsklasse unter Berücksichtigung einer angemessenen Instandhaltung eine Nutzungsdauer von 50 Jahren sicher. Es bestand Einigkeit unter den Experten, dass wenn Risse und Arbeitsfugen dauerhaft geschlossen und geschützt sind, somit aus Dauerhaftigkeitsgründen kein Gefälle notwendig ist.

Bei Aufbringung eines dauerhaften und flächigen Schutzes wird zukünftig in Heft 525/526 der grundsätzliche Hinweis ohne Angabe von Details aufgenommen, dass Reduzierungen bei der Betondeckung (Dicke und Dichtheit) möglich sind. Diese sind an die vorgegebenen Wartungszyklen und die Instandhaltungsmaßnahmen gekoppelt. Näheres wird im überabeiteten DBV-Merkblatt geregelt.

zurück

Zu f) Höhe der Beschichtung an aufgehenden Bauteilen

Die Hefte 525 und 526 fordern grundsätzlich eine Abdichtung aufgehender Bauteile wie Stützen und Wände. Das DBV-Merkblatt aus dem Jahr 2005 präzisiert hierzu, dass die Höhe der Beschichtung auf dem aufgehenden Bauteil (Stützen, Wände) mindestens 0,15 m betragen sollte.

Nach eingehender Diskussion wird diese Mindestbeschichtungshöhe bestätigt, allerdings sollte zusätzlich die Mindesthöhe der Dreiecks- bzw. Hohlkehle mit 50 mm genauer festgelegt werden. Auch wird ein Hinweis aufgenommen, dass Beschichtungen nicht ganzflächig ausgeführt werden müssen. Eine Arbeitsfuge am Übergang zwischen Stütze und Fundament ist auch dann zu schützen, wenn die befahrene Fläche z. B. durch eine Pflasterung in einer anderen Ebene liegt.

zurück

Zum Weiteren Vorgehen

Die DAfStb-Hefte 525 und 526 sollen in der ersten Jahreshälfte 2010 vorliegen. Das DBV-Merkblatt "Parkhäuser und Tiefgaragen", das derzeit bereits überarbeitet wird, soll die vereinbarten Punkte aufgreifen und möglichst zeitnah zur Veröffentlichung der DAfStb-Hefte vorliegen.

Aktuelles

Emil-Mörsch-Denkmünze des DBV
für Professor Jürgen Schnell
Stellenausschreibung des DAfStb
Honorarprofessur für Dr.-Ing. G. Marzahn
Pressemitteilung zur Instandhaltungs-Richtlinie
DAfStb-Fachkolloquium II/2017 –
„Entwicklungen bei metallischer
und nichtmetallischer Bewehrung“
DAfStb-Fachkolloquium I/2017
„Instandhaltungs-Richtlinie — Quo Vadis?“
Deutscher Zukunftspreis 2016 für
C³ - Carbon Concrete Composite
Hightech-Materialien auf der BAU 2017 —
Innovationen und Trends bei neuen Baustoffen
fib Symposium 2017 Maastricht –
High tech concrete:
where technology and engineering meet!
DAfStb-Positionspapier zum kritischen korrosionsauslösenden Chloridgehalt
DAfStb-Fachkolloquium 2015 –
zum EuGH-Urteil C-100/13

WiTraBau – Wissenstransfer im Bauwesen – Neues Projekt beim DAfStb
DAfStb-Fachkolloquium 2015 –
Widerstandsklassen – das neue Konzept zur Sicherstellung der Dauerhaftigkeit von Betonbauwerken
Mitteilung des DAfStb zur E DIN 1045-2:2014-08
Memorandum zum EC 2
DAfStb-Fachkolloquium 2013 –
Dauerhaftigkeit von befahrenen Parkdecks
Stellungnahme des DAfStb
zur Dauerhaftigkeit von befahrenen Parkdecks
Erläuterung des DAfStb zum aktuellen Regelungsstand der Umweltverträglichkeit
von Beton
Auslegungen des DAfStb zur Alkali-Richtlinie
WU-Richtlinie des DAfStb
Sulfatangriff auf Beton -
Stellungnahme des DAfStb
Positionspapier des DAfStb zur Umsetzung des Konzepts von leistungsbezogenen Entwurfs- verfahren unter Berücksichtigung von DIN EN 206-1, Anhang J
Empfehlungen des DAfStb zu den erforderlichen Nachweisen der Bauprodukte für den katho-
dischen Korrosionsschutz (KKS) im Betonbau
Berichtigungen zur DAfStb-Richtlinie "Schutz
und Instandsetzung von Betonbauteilen"
Bauaufsichtliche Regelungen zur Umsetzung
der Normenreihe DIN EN 1504
DBV-/DAfStb-Fachkolloquium "Dauerhaftigkeit
von Parkdecks" am 20. November 2009 in Berlin
Grenzwertableitungskonzepte zur Bewertung der Freisetzung von gefährlichen Stoffen aus Bauprodukten